Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Ich bin ja der Meinung, nur weil eine Information draußen ist, heißt das nicht, dass Medien sie auch berichten müssen. Es hätte vielen zum Beispiel gestern besser gestanden, wenn sie die Details des mutmaßlichen Kindesmissbrauchs durch den Kabarettisten Günther Paal, alias Gunkl, einfach nicht gebracht hätten.
Wozu braucht man diese Details? Was ist der journalistische Mehrwert davon, zu wissen, was genau er gemacht haben soll? In meinen Augen wurde jeglicher Opferschutz da über Bord geworfen. Gerade weil das Opfer ein Kind ist, sollten noch viel strengere Maßstäbe gelten. Der Standard (Öffnet in neuem Fenster) liefert ein Q&A mit allem, was man dazu wissen muss.

Ansonsten geht es heute noch um den EU-Kids-Act, den Konflikt zwischen Kanada, den USA und der EU sowie KI.

EU will umfangreiche Alterskontrollen für digitale Services
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentierte heute den sogenannten Kids-Act. Am Tisch liegt ein Defacto-Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige und damit einhergehend Alterskontrollen für Online-Dienste. Unter 13 Jahren sollen Kinder nur über die Eltern auf spezielle Video-Angebote zugreifen können. Zwischen 13 und 15 können dann Kinder erstmals eigene kleine Minikonten bei Sozialen Medien anlegen können, aber nur unter der Aufsicht der Eltern. Von 15 bis 18 Jahren sollen verstärkte Sicherheitsbestimmungen für Soziale Medien, Videoplattformen, Onlinevideospiele, KI-Begleiter und Chatbots gelten.
So müssen diese Plattformen ihre Designs so anpassen, damit Unter-18-Jährige keinen suchtfördernden Mechanismen ausgesetzt sind. Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen müssen für diese Nutzergruppe standardmäßig aktiviert sein.
Technisch soll das wie folgt umgesetzt werden: Für die Kontenerstellung müssen die Plattformen zertifizierte EU-Altersverifizierungslösungen anbieten, die von unabhängigen Dritten bereitgestellt werden und auf fälschungssicheren EU-Altersnachweisen basieren. Jedes EU-Mitgliedsland muss so etwas bereitstellen, in Österreich wäre das wohl die ID Austria. Die Plattformen sollen aber nur die Info bekommen, ob die Person alt genug ist, ohne dass Klarnamen, das genaue Geburtsdatum, der Standort oder Identitätsnachweise an die Plattform übermittelt werden.
Netzpolitik.org (Öffnet in neuem Fenster) hat den Entwurf vorab schon analysiert und kritisiert die geplanten umfangreichen Einschränkungen stark.

Konflikt zwischen Kanada, USA und der EU spitzt sich zu
Die Auseinandersetzung zwischen den USA und Kanada schwelt schon länger, jetzt geht es richtig rund. Erst vor ein paar Tagen hat US-Präsident Donald Trump eine Grafik gepostet, wo Kanada, aber auch Mexiko und Grönland mit der US-amerikanischen Flagge bedeckt sind. Zuletzt haben die beiden Nachbarländer jeweils ihre Zollmauern hochgezogen und traten damit in einen neuen Handelskrieg ein. Gestern mischte sich dann auch noch die EU ein. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach gestern in ihrer Rede zur Lage der EU von der Möglichkeit einer „assoziierten EU-Mitgliedschaft“ für Kanada. Die genauen Bedingungen so einer Mitgliedschaft sind komplett offen. Die Partnerschaft des Bündnisses mit dem nordamerikanischen Land solle gestärkt werden.
Für Kanada klingt das vielversprechend, für Trump ist das „lächerlich“. Er droht heute der EU direkt mit hohen Zöllen oder einem kompletten Handelsstopp. Der kanadische Premier Mark Carney sprach heute im EU-Parlament. In seiner Rede erwähnte er diese Mitgliedschaft explizit nicht, sprach aber von „einem weitaus stärkeren, ehrgeizigeren Bündnis in der Zukunft“.
Spannend wird auch, ob Trump weitere Handelseinschränkungen gegen die EU erlassen wird, angesichts der heute verkündeten geplanten Regulierungen von Online-Diensten. In der Vergangenheit hat die US-Regierung oftmals versucht, Druck auszuüben, damit die EU die Vorherrschaft von US-Unternehmen im digitalen Raum nicht zu sehr durch Vorgaben einschränke.

KI-Schwerpunkt Teil 2: Wie realistisch eine Auszeit bei der KI-Entwicklung wirklich ist
In vielen Medien herrschte zuletzt eine Endzeit-Stimmung, was das Thema KI betrifft. Nach dem Trubel rund um Sicherheitsprobleme und die ganzen Vorfälle, die ich zuletzt hier beschrieben habe, spitzte sich die Lage zuletzt noch mehr zu. Am vergangenen Wochenende warnte Dario Amodei, der CEO des Unternehmens Anthropic, das hinter dem KI-Modell Claude steht, in einem „Essay“ selbst vor einer Entgleisung der KI. Er schlug deshalb eine sechsmonatige globale Auszeit bei der KI-Entwicklung vor. Andere Tech-Bros wie OpenAI-Gründer Sam Altman und Elon Musk sprangen Amodei prompt zur Seite.
Als eigentlichen Grund für die Forderungen nach dieser KI-Pause vermuten viele Beobachter*innen aber nicht tatsächliche Sicherheitsbedenken plötzlich bekehrter Multimilliardäre, sondern die hohen Ausgaben hinter dem laufenden Betrieb und der Entwicklung neuer Modelle. Der ITler und KI-Kritiker Jürgen Geuter (Öffnet in neuem Fenster) beschreibt in seinem Blog das Phänomen so: „Die KI-Unternehmen haben explodierende Kosten für neue Versionen eines Produkts, die sich für die Nutzer*innen nicht massiv besser anfühlen, aber deutlich teurer im Betrieb sind.“ KI entwickelt sich für diese Firmen also aktuell zu einer riesigen Geldverbrennungsmaschine, in die immer mehr Kapital hineingepumpt wird, während ein richtiges Businessmodell dahinter fehlt.
Gleichzeitig ziehen chinesische KI-Anbieter im Wettlauf um die beste KI nach und setzen die Firmen hinter den sogenannten Frontier-Modellen wie ChatGPT, Claude und Gemini zunehmend unter Druck. Viele dieser Firmen, etwa Alibaba (Qwen), Deepseek und Moonshot (Kimi), veröffentlichen ihre Modelle zudem als Open Source und Open Weight. Dadurch können Privatpersonen und Firmen gut funktionierende KIs selbst daheim auf einem eigenen Server datenschutzkonform betreiben.
Und diese chinesischen Modelle sind wohl auch der wichtigste Grund, warum es aktuell unwahrscheinlich ist, dass es tatsächlich zu einer selbstverordneten Pause bei der KI-Entwicklung kommt. Amodei selbst betont in seiner Abhandlung, dass die US-Unternehmen nur so viel Pause machen dürfen, dass sie nicht hinter China zurückfallen. Der Abstand ist momentan schon sehr gering, wenn man kursierenden Benchmark-Tests Glauben schenkt. Die US-Regierung unter Donald Trump hat gestern zudem abgewinkt, es gäbe keinerlei Bedarf an einer Pause, ein „starker US-Präsident“ reiche. Im US-Senat laufen Insidern zufolge aber aktuell Verhandlungen für ein Gesetz, das KI-Unternehmen zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen verpflichten soll. Zudem sollen unsichere Modelle staatlich überprüft und eingeschränkt werden können.
Eigentlich hätte dieser Text schon am Dienstag erscheinen sollen, da ist in der redaktionellen Planung etwas daneben gegangen.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Ein Schreckensort, den Wien vergessen hat
Vom Wiener Nordbahnhof im Zweiten Bezirk wurden mehr als 2.000 Menschen nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert. Mit dem Abriss ist auch die Erinnerung daran verschwunden. Eine Historikerin will das nun ändern und hat ein Buch geschrieben.
https://zwischenbruecken.at/ein-schreckensort-den-wien-vergessen-hat/ (Öffnet in neuem Fenster)
„Vielleicht habe ich Mörder, Vergewaltiger und andere Verbrecher beerdigt“
Denise Reitzenstein besucht die Trauerfeier von fremden Menschen. Im Protokoll erzählt sie, warum es nicht nur traurig sein muss, wenn niemand sonst zur Beerdigung kommt.
https://krautreporter.de/leben-und-lieben/6546-vielleicht-habe-ich-morder-vergewaltiger-und-andere-verbrecher-beerdigt (Öffnet in neuem Fenster)
Präventionsangebot gegen Kindesmissbrauch
Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage will ich auf dieses Angebot hinweisen. Es richtet sich an Menschen, die sich ihrer falschen sexuellen Neigungen bewusst sind und präventiv etwas dagegen unternehmen wollen.
https://www.nicht-taeter-werden.at/ (Öffnet in neuem Fenster)Will gerne präventiv das Internet anzünden:
Emil

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