Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Man hätte es ahnen können. FPÖ-Chef Herbert Kickl hat gestern im ORF-Sommergespräch die Klimakrise geleugnet, den Extremismus der Identitären verharmlost und die Moderatorin Simone Stribl persönlich und untergriffig angegriffen. Leider bekam man als Zuseher*in das Gefühl, dass Kickl seine ganzen Takes nahezu unwidersprochen herunterbeten konnte. Besonders absurd wurde es, als Stribl die AfD als Schwesterpartei der FPÖ bezeichnete und Kickl selbst das erfolgreich von sich weisen konnte.
Ein „Interview“ mit Herbert Kickl zu führen, gehört sicherlich zu den schwierigsten journalistischen Aufgaben. Und trotzdem hätte es einen Stapel Dokumente mit Beweisen und Zitaten benötigt, um Kickls Lügen direkt zu widerlegen. Jede Aussage, mit der man so einen Politiker konfrontiert, muss im Gespräch belegt werden können, damit man die Oberhand behält. Von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk würde ich ehrlich gesagt mehr erwarten, vor allem wenn bekannt ist, wie Kickl vorgeht.

Außerdem geht es heute im Newsletter um die Flut an unbrauchbar werdenden E-Mopeds in Wien, eine Recherche zu Netanjahu und dass Österreichs Schüler*innen immer schlechter lesen können.

„Haaretz“: Israels Premier Netanjahu soll von Anschlagsplänen vor dem 7. Oktober gewusst haben
Schon länger gibt es Gerüchte, dass Israels Premierminister Benjamin Netanjahu von den Anschlagsplänen der Hamas gewusst haben soll. Heute veröffentlichte die israelische Zeitung Haaretz einen Vorabdruck des Buches „Hostages: 843 Days of Abandonment“, das diesen Gerüchten neue Substanz liefert. Darin zeichnen zwei Journalist*innen das politische Versagen von Israels Regierung hinsichtlich des Hamas-Anschlags vom 7. Oktober und der darauf folgenden Geiselnahme nach.
Netanjahu soll demnach vom Emir der Vereinigten Emirate, Mohammad Ben Said, klar und deutlich vor dem Anschlag gewarnt worden sein. Diese Information wurde aber nicht an das Militär und andere Entscheidungsträger weitergegeben. Zudem soll Netanjahu in dem Gespräch gesagt haben, dass Israel gut vorbereitet sei und den Gazastreifen unter Kontrolle habe. Netanjahu bezeichnet die Recherchen in einer ersten Reaktion als „totale Lüge“. In Israel läuft gerade der Wahlkampf an, am 27. Oktober wird die Knesset, das israelische Parlament, neu gewählt.
Der Standard (Öffnet in neuem Fenster) und der ORF (Öffnet in neuem Fenster) liefern weitere Hintergründe. Hier (Öffnet in neuem Fenster) geht es zum Originalartikel.

PISA-Studie: Kompetenzen in Lesen und Mathematik bei Österreichs Schüler*innen zurückgegangen
Die weltweit alle paar Jahre durchgeführte PISA-Studie (Öffnet in neuem Fenster) gilt als wichtigster Indikator für schulische Entwicklungen und Ausgangspunkt für schulpolitische Entscheidungen. Grundsätzlich schneiden Österreichs Schüler*innen im internationalen Vergleich sehr gut ab: In allen vier Kompetenzbereichen (Naturwissenschaft, Lesen, Mathematik, computergestütztes Problemlösen) liegt der Mittelwert der 15-/16-jährigen Schüler*innen in Österreich signifikant über dem OECD- und dem EU-Schnitt. Vor allem im Bereich Naturwissenschaft zeigt sich eine große Stärke und ein Kompetenzzuwachs.
Im Vergleich zu den letzten PISA-Studien 2022, 2018 und 2015 zeigte sich allerdings ein deutlicher Rückgang in den Kompetenzen Lesen und Mathematik. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch bei anderen OECD- und EU-Ländern erkennen. PISA liefert auch noch Auswertungen zu Geschlechterunterschieden und dem Sozialstatus. Beim Lesen schnitten Mädchen signifikant besser ab, in Mathematik und computergestütztem Problemlösen die Burschen. Im Kompetenzbereich Naturwissenschaft zeigt sich kein signifikanter Unterschied. Auch beim Sozialstatus gibt es erwartbare Ergebnisse: Je niedriger der soziale Status, desto schlechter die Ergebnisse.
In Österreich wurden per Zufallsstichprobe 6.987 Schüler*innen an 256 Schulen getestet. Unser Nachbarland Deutschland rutscht dieses Jahr auf einen historischen Tiefstand, wie der Spiegel (Öffnet in neuem Fenster)berichtet.

Neue Verordnung: Essenslieferant*innen müssen auf Fahrräder umsteigen
Wie der Standard (Öffnet in neuem Fenster) berichtet, ändert sich ab 1. Oktober für viele Essenslieferant*innen alles. Die aktuell häufig im Einsatz stehenden Elektromopeds, E-Roller mit Sitz und „Fatbikes“ gelten dann aufgrund einer neuen Verordnung nicht mehr als Fahrräder und dürfen nicht mehr am Radweg unterwegs sein. Damit werden in Wien rund 5.000 Geräte quasi über Nacht unbrauchbar. Um weiterhin damit unterwegs sein zu können, ist eine Ummeldung und Klassifizierung als Fahrzeug notwendig. Das sei für viele Betroffene aber wohl kaum möglich, heißt es in dem Artikel.
Die Essenslieferanten wie Foodora und Co. schreiben ihren Zusteller*innen zudem vor, per Fahrrad oder E-Roller ausliefern zu müssen. Das nimmt sie aus der rechtlichen Verantwortung, wird ein Vertreter der Zustellervertretung Riders Collective im Standard zitiert. Foodora kontert heute in einer Aussendung mit der Ankündigung, dass die „Flotte mit 1. Oktober vollständig auf Fahrräder und E-Bikes umgestellt“ werde. Bereits seit Monaten kümmere sich der Essenslieferant demnach um Information der Rider*innen. Laut Aussendung würden die Fahrer*innen „Zugang zu hochwertigen Fahrrädern und E-Bikes zu attraktiven Konditionen“ erhalten. Für das Riders Collective ist das nicht genug. Schließlich bleibt auch die Frage offen, was mit den nicht mehr erlaubten E-Mopeds nach dem 1. Oktober passiert. Laut dem Artikel arbeitet das Wiener Rathaus gerade an einem Plan.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wie die Kleine Zeitung journalistisch komplett daneben griff
Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber wichtiger denn je, hier genau hinzuschauen. Die Kleine Zeitung hat die von der FPÖ gestartete Aufregung um eine angebliche Bevorzugung von Andreas Bablers (SPÖ) Vater bei einem OP-Termin auf die Titelseite gehoben. Der Medienwatchblog Kobuk hat das Vorgehen genau seziert und erklärt, warum es grundsätzlichen journalistischen Vorgangsweisen widerspricht.
https://kobuk.at/2026/09/erst-berichten-dann-recherchieren-der-angebliche-op-skandal-um-bablers-vater/ (Öffnet in neuem Fenster)
Die radikale Rechte ist (wieder) Volkspartei
Wer die AfD in Sachsen-Anhalt gewählt hat, wie sie jetzt regieren kann und was ihre Gegner von Ulrich Siegmunds Wahlkampf lernen können.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6539-die-radikale-rechte-ist-wieder-volkspartei (Öffnet in neuem Fenster)
KI-Slop aus dem Kanzleramt
Eigentlich sollte man so einen Content, finde ich, nicht weiterverbreiten. Aber das Video wurde vorgestern von unserem Bundeskanzler gemeinsam mit unserem Digitalisierungsstaatssekretär auf Instagram gepostet. Es zeigt in absurdester KI-Manier die Vorzüge von Österreich aus Sicht der Spitzenpolitik. Von Segel-U-Booten am Wörthersee bis hin zum Almdudler, der aus der Seitenwand der Flasche rinnt, wurde dabei kein Klischee und kein KI-Fehler ausgelassen. Aber seht selbst, was mit unserem Steuergeld so getrieben wird.
https://www.instagram.com/p/Dc6V07otLCp/ (Öffnet in neuem Fenster)Wünscht sich ein KI-Verbot für Politiker*innen:
Emil

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