Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Ich verbringe viel Zeit in Buchhandlungen. Umso schöner ist, was heute in Wien passiert: In der Wollzeile eröffnet eine neue Buchhandlung – eine Seltenheit. Benannt ist sie nach dem k. u. k. Schriftsteller Italo Svevo. Das Konzept: handverlesene Literatur.
Für die Branche läuft es nicht gerade rund. Laut Statistik Austria sank die Zahl der Buchhandlungen in Österreich von rund 900 im Jahr 2015 auf 565 im Jahr 2024.
Eine unglaubliche Meldung ist hingegen, dass Italien mit dem Einsatz seiner Marine denkt. Die jemenitische Huthi-Miliz kontrolliert die Zugänge zur strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Italien will deshalb den Schutz eigener Handelsschiffe notfalls im Alleingang sicherstellen und nicht auf eine gemeinsame EU-Entscheidung warten, wie Verteidigungsminister Guido Crosetto ankündigte.
Eine Behinderung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen. Über Bab al-Mandab verläuft eine zentrale Handelsroute zwischen Europa und Asien; die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Beachtlich ist dabei, dass die USA auf Aktionen der Huthis offensichtlich nicht vorbereitet waren – obwohl diese die engsten Verbündeten des Iran sind.

Ansonsten geht es heute um das Klimagesetz, die „Wahlen“ in Russland und eine Mordserie an Frauen in Südafrika.

Österreich soll bis 2040 klimaneutral werden
Nach 13 Monaten Verhandlungen haben sich ÖVP, SPÖ und NEOS auf ein neues Klimagesetz geeinigt. Nun geht der Entwurf in Begutachtung, schreibt der Kurier (Öffnet in neuem Fenster).
Das Gesetz ruht auf drei Säulen: weniger Treibhausgasemissionen, Anpassung an den Klimawandel und Kreislaufwirtschaft. Die entscheidenden Maßnahmen stehen allerdings noch aus. Der erste Klimafahrplan mit konkreten Sektorzielen soll erst Ende 2027 vorliegen.
Betroffen sind vor allem Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Abfall sowie Gewerbe und Kleinindustrie. Für diese Bereiche gelten nationale Vorgaben. Anlagen im europäischen Emissionshandel werden hingegen über EU-Recht geregelt.
Verfehlt Österreich seine Klimaziele, soll innerhalb von sechs Monaten nachgesteuert werden. Aktuell befindet sich Österreich gar nicht auf dem Pfad, die Klimaziele zu erreichen. Im Gegenteil die Ministerien rechnen bereits mit großen Strafzahlungen. Die Regierung betont den Zusammenhang von Klimaschutz, Innovation und dem Ausstieg aus fossilen Energien.
Kritik kommt aus der Wirtschaft. Die Wirtschaftskammer bekennt sich zu den EU-Klimazielen bis 2050, lehnt das österreichische Ziel für 2040 aber weiterhin ab. Es bedeute zusätzliche Belastungen für Unternehmen, argumentiert WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger.

In Russland wird gewählt – allerdings ohne Opposition
Von heute bis zum 20. September steht in Russland das erste Mal seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine die Staatsduma zur Abstimmung, also das Unterhaus des russischen Parlaments (Öffnet in neuem Fenster) – natürlich unter sehr anderen Bedingungen als bei uns. Oppositionskräfte wurden ausgeschlossen, mit im Rennen sind ausschließlich kremlnahe Parteien. Die Kreml-Partei „Geeintes Russland“ dürfte als Sieger aus der Wahl hervorgehen.
Erstmals wird dieses Jahr in den völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson gewählt sowie erneut auf der Halbinsel Krim, erläutert der Deutschlandfunk (Öffnet in neuem Fenster) in einem ausführlichen Hintergrund zum Thema. Dort wird auch erklärt, dass die Wahl trotzdem ein wichtiger Gradmesser für Präsident Wladimir Putin ist, denn dessen Zustimmungswerte sind nicht die besten. Aus Moskau berichtet die F.A.Z. (Öffnet in neuem Fenster) in einer lesenswerten Reportage darüber, wie der Kremlchef die Duma-Wahl als Votum über den Krieg inszeniert – und wie sich jene Leute organisieren, die mit der politischen Situation in Russland nicht einverstanden sind. (Luzia Geier)

Mordserie an Frauen schockiert Südafrika
In der Region um Johannesburg wurde erneut eine Frauenleiche gefunden, meldet die BBC (Öffnet in neuem Fenster). Damit sind dort innerhalb von zwei Monaten neun Frauen tot aufgefunden worden. Ob die Fälle zusammenhängen und ob ein oder mehrere Täter verantwortlich sind, ist bislang unklar. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen und setzt für entscheidende Hinweise eine Belohnung von 400.000 Rand aus.
Mehrere Opfer wurden teilweise entkleidet und wiesen Verletzungen auf. Eine 38-Jährige, die Anfang September zum Joggen aufbrach, wurde später tot hinter einem Hotel in Kempton Park gefunden. Ihr Fall lenkte auch die Aufmerksamkeit auf weitere ungeklärte Tötungsdelikte.
Die Serie sorgt in Südafrika für große Angst. Präsident Cyril Ramaphosa kündigte an, alles zur Aufklärung der Fälle zu unternehmen. Gleichzeitig steht die Polizei wegen ihres Umgangs mit Gewalt gegen Frauen in der Kritik. Nachdem sie Frauen aufgefordert hatte, insbesondere in Kempton Park nicht allein zu joggen oder abgelegene Orte aufzusuchen, warfen Frauenrechtsorganisationen den Behörden vor, die Verantwortung erneut den Opfern aufzubürden.
Südafrika zählt weltweit zu den Ländern mit besonders hoher Gewalt- und Tötungsrate.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Der Nord Stream-Prozess
In dieser Ausgabe der „Dunkelkammer“ spricht Michael Nikbakhsh in seinem Podcast mit dem italienischen Rechtsanwalt Nicola Canestrini. Ein Verteidiger des Ukrainers Serhii K. K., einst Offizier einer ukrainischen Spezialeinheit, soll sich ab dem 14. Oktober in Hamburg wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an der Sprengung von drei Nord-Stream-Röhren im September 2022 verantworten.
Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, Teil einer ukrainischen Geheimoperation gewesen zu sein. Die Anklage stützt sich auf Indizien; ein Geständnis liegt nicht vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall ist sowohl politisch als auch geheimdienstlich und rechtlich komplex.
https://dunkelkammer.simplecast.com/episodes/369-der-nord-stream-prozess-mit-nicola-canestrini (Öffnet in neuem Fenster)
Die Berlin-Wahl, erklärt für Berlin-Hasser
Gar keine Lust, dich mit der Wahl in der Hauptstadt zu beschäftigen? Verstehen wir. Aber in Berlin geht es um die großen politischen Konflikte, die gerade das ganze Land beschäftigen.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6551-die-berlin-wahl-erklart-fur-berlin-hasser#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Fall Gunkl: Wenn das Opfer aus dem Blick gerät
Im Fall des Kabarettisten Günther Paal („Gunkl“) geht es um den Vorwurf sexualisierten Missbrauchs eines damals etwa dreijährigen Kindes. Zudem wurden laut den vorliegenden Berichten knapp 1.000 Dateien mit Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern auf seinen Geräten sichergestellt. Paal hat sich in einem Video dazu geäußert und Verantwortung eingeräumt.
Kabarettist der Kuseng kritisiert in seinem WZ-Gastkommentar, dass Paals Stellungnahme vor allem dessen eigene Scham, Vergangenheit und Gefühle in den Mittelpunkt stelle. Die Perspektive des betroffenen Kindes bleibe dagegen weitgehend unsichtbar.
Bei der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Fall darf die Aufmerksamkeit nicht vom betroffenen Kind auf den Täter, dessen Gefühle oder dessen öffentliche Rehabilitation verschoben werden.
https://www.wienerzeitung.at/a/fall-gunkl-wenn-das-opfer-aus-dem-blick-geraet (Öffnet in neuem Fenster)Wünscht ein schönes Wochenende: Markus

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