Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Am Freitag ist es nachrichtentechnisch in Österreich oft etwas ruhiger und wir diskutieren in unserer Morgenrunde auch mal etwas länger, welche Nachrichten es in diesem Newsletter schaffen. Heute ist das nicht der Fall: Nach einer bewegten Woche in den USA (Öffnet in neuem Fenster) kam es zu erneuten Protesten in Frankreich (Öffnet in neuem Fenster), in Israel steht die Regierungsbildung an (Öffnet in neuem Fenster).
In Österreich haben sich heute die Landeshauptleute getroffen (Öffnet in neuem Fenster) und unter anderem über die Wehrdienstreform und den Umgang mit straffälligen Kindern beraten. Und René Benko (Öffnet in neuem Fenster)wurde gestern erneut verurteilt.

Wir haben aber heute diese Nachrichten für euch ausgewählt: Kritik vom Rechnungshof an der Wiener Zeitung, umgewandelte Todesurteile in Kalifornien und Bombendrohungen gegen Flüge in Europa.

Rechnungshof sieht erhebliche Mängel bei Wiener Zeitung
Fehlende Strategie, teure externe Dienstleister und mangelnde Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit: Der Rechnungshof übt deutliche Kritik an der Neuausrichtung der Wiener Zeitung (WZ). In einem am Freitag veröffentlichten Bericht (Öffnet in neuem Fenster) fordert er das Medienministerium auf, die Aufgaben des Unternehmens grundsätzlich zu überprüfen.
Seit dem Ende der gedruckten Ausgabe im Juli 2023 wurde die Wiener Zeitung zu einem digitalen Medium umgebaut. Für die Produktion von Videoinhalten fehlte allerdings das notwendige Know-how. Allein 2023 und 2024 kaufte die Gesellschaft externe Leistungen um 2,24 Millionen Euro zu. Zudem flossen innerhalb von zwei Jahren rund 820.000 Euro in Werbung auf sozialen Plattformen, 87 Prozent davon an ausländische Unternehmen.
Besonders kritisch bewertet der Rechnungshof die fehlenden gesetzlichen Garantien für die redaktionelle Unabhängigkeit. Da die Geschäftsführung dem Eigentümer weisungsgebunden ist, bestehe das Risiko unmittelbarer staatlicher Einflussnahme.
Auch die Unternehmensstruktur sei ineffizient: Die Tochtergesellschaft bringe keinen erkennbaren Mehrwert. Der Rechnungshof empfiehlt daher eine Verschmelzung. Zudem fehlten eine Eigentümerstrategie und ausreichende Kontrolle. Das Medienministerium soll nun klären, welche Aufgaben tatsächlich notwendig sind.
Seitens der WZ wird in einer Aussendung (Öffnet in neuem Fenster) betont, dass der Prüfzeitraum eine Zeit mit “einer anderen Geschäftsführung, einem anders zusammengesetzten Aufsichtsrat und einer anderen Zuständigkeit im Bundesministerium” betrifft. Auch wurden 20 der 29 Empfehlungen des Rechnungshofes sind bereits umgesetzt, die übrigen sind in Arbeit.
„An der Kritik gibt es nichts zu beschönigen. Wir korrigieren die Fehler der Vergangenheit. Der Bericht ist ein klarer Handlungsauftrag“, so WZ-Geschäftsführer Simon Kravagna.

Kalifornien wandelt 548 Todesurteile in lebenslange Haft um
Kaliforniens scheidender Gouverneur Gavin Newsom hat 548 Todesurteile in lebenslange Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung umgewandelt. Der Demokrat machte von seinem verfassungsmäßigen Begnadigungsrecht Gebrauch. Damit kam er einer Forderung von Amnesty International und anderen Organisationen nach, vor dem Ende seiner Amtszeit ein Zeichen gegen die Todesstrafe zu setzen.
Seit zwei Jahrzehnten hat Kalifornien keine Hinrichtung mehr vollstreckt. Newsoms Entscheidung ist daher vor allem ein politisches Signal – auch an US-Präsident Donald Trump, der die Todesstrafe befürwortet. „Eine Gesellschaft ohne staatlich sanktioniertes Töten“ sei stärker, erklärte der Gouverneur in einem Schreiben an die Bevölkerung.
Newsom, der als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten für 2028 gilt, bekräftigte damit seine langjährige Haltung gegen staatliche Hinrichtungen.
Zuletzt hatte die Todesstrafe in den USA erneut für Schlagzeilen gesorgt: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wollte die Hinrichtung des Attentäters Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando live übertragen lassen. Nach heftiger Kritik stoppte Trump das Vorhaben.

Bombendrohungen stören Flugverkehr in Europa
Wegen Bombendrohungen mussten etliche Passagierflugzeuge in Europa diese Woche umgeleitet werden oder außerplanmäßig landen. Allein gestern waren rund 20 Flüge betroffen, berichtet die F.A.Z. (Öffnet in neuem Fenster) – manche Maschinen wurden demnach sogar von Militärflugzeugen eskortiert. Betroffen waren unter anderem Flüge von Aer Lingus, Ryanair, Finnair und Wizz Air. Die Maschinen wurden untersucht, es wurden aber keine Sprengsätze gefunden.
Die AFP zitierte aus einer Nachricht, die an E-Mail-Adressen des Flughafens der bulgarischen Hauptstadt Sofia geschickt wurde: „Wir, die Kämpfer des Männerstaats, werden mit unseren heutigen Taten in die Geschichte eingehen. Euer feministisches Regime wird sich für immer daran erinnern.“ Laut stern (Öffnet in neuem Fenster) gibt es in Russland eine rechtsextreme und antifeministische Gruppierung namens „Männerstaat“, es ließ sich aber erst einmal nicht verifizieren, ob sie tatsächlich hinter der Nachricht steckt. Über die Vorfälle berichten auch die Deutsche Welle (Öffnet in neuem Fenster) und das RND (Öffnet in neuem Fenster). Auch Österreich war betroffen: Es gab eine abstrakte Drohung gegen vier Flüge von und nach Wien und eine Drohung in Salzburg, berichtet der ORF. (Öffnet in neuem Fenster) (Luzia Geier, ergänzt von Anna Mayrhauser)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

So tarnt Wolfgang Fellner Werbung als Journalismus?
Bei Wolfgang Fellner gehört Schleichwerbung zum System und bei seiner Mediengruppe Täuschung zum Geschäftsmodell, schreibt Kobuk. Doch er kommt immer wieder damit durch. Kobuk-Redakteurin Andrea Gutschi hat in Kooperation mit dem Investigativmagazin Dossier recherchiert – und ein Muster festgestellt.
https://kobuk.at/2026/11/auf-dem-schleichweg-so-tarnt-wolfgang-fellner-werbung-als-journalismus/ (Öffnet in neuem Fenster)
So steht es wirklich um die deutsche Wirtschaft (gar nicht sooo schlecht)
Die Krautreporter-Autorin Marie Vandenhirtz zeigt dir fünf Grafiken, die viel mehr verraten als Bruttoinlandsprodukt (BIP)
https://krautreporter.de/geld-und-wirtschaft/6598-so-steht-es-wirklich-um-die-deutsche-wirtschaft-gar-nicht-sooo-schlecht#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Die Party ist vorbei
Die Autorinnen und Journalistinnen Jessica Ramczik und Nastassja von der Weiden haben für ihren mehrteiligen Doku-Podcast über ein Jahr über sexualisierte Gewalt in der sexpositiven Clubkultur recherchiert. Die verspricht Sex, Freiheit und Ekstase in einem sicheren Umfeld, in dem alles möglich ist.
Für Hannah, die der Podcast begleitet, endet die Party jedoch in der Notaufnahme und dann vor Gericht. Der Podcast stellt die Fragen: Wie sicher sind sexpositive Partys wirklich? Was passiert, wenn genau dort Grenzen überschritten werden? Ist Hannah ein Einzelfall? Was bringen Awareness-Konzepte? Und wer übernimmt hier eigentlich die Verantwortung?
https://www.rbb-online.de/podcasts/die-party-ist-vorbei/ (Öffnet in neuem Fenster)Brodelt auch:
Anna