Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!
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Hallo!
Letzte Woche habe ich einige Tage beruflich in Bordeaux verbracht. Von der Konferenz der European Journalism Training Association nehme ich vor allem zwei Dinge mit: 1. Die Journalismus-Ausbildungen europaweit wandeln auf einem schmalen Grat zwischen KI-Skepsis und dem Bedürfnis den Studierenden eine fortgeschrittene und kritische Verwendung von LLMs beizubringen. Der Tenor: Wie sollen die Studierenden erkennen, ob ein KI-Artikel gut oder schlecht ist, wenn sie selbst noch keinen Artikel schreiben können? 2.Ich hatte die Chance, mit einer Gruppe von Journalismus-Studierenden zu diskutieren. Alle sind sauer.
Weil die Preise steigen, die Chancen auf ein gutes Leben schwinden und weil die Politik ihre Sorgen nicht ernst nimmt. Vor allem sind sie aber auch wütend auf die Medien, die nicht über die Anliegen ihrer Proteste berichten, sondern nur auf Gewalt und Plünderungen fokussieren.
Persönlich überrascht mich ja die Naivität und Weltfremdheit rechter Politiker und Kommentatoren: Als ob sich das Problem der wachsenden Ungleichheit mit massiver Polizei und Ausgangssperren lösen lassen würde? Dazu unten mehr.

Außerdem geht es im Newsletter um Bulgarien und eine neue, zweite Paketsteuer.

Gen Z fordert soziale Gerechtigkeit
Paris, Bordeaux, Toulouse, Rennes, Lille, Nantes, Marseille, Lyon, Zürich, Basel, Berlin (Öffnet in neuem Fenster), Frankfurt (Öffnet in neuem Fenster), Köln, Stuttgart, Hamburg, München, Brüssel, Barcelona, Lissabon (Öffnet in neuem Fenster), Porto, Wien und Wiener Neustadt (Öffnet in neuem Fenster): Die Liste der europäischen Städten in den dieses Wochenende (junge) Menschen aus Protest gegen hohe Lebenshaltungskosten, schlechte Bildungsbedingungen und soziale Ungerechtigkeit auf die Straße gingen ist lang. Was auffällt: In den Medien wird fast nur über Gewalttaten berichtet, die teilweise die Proteste begleiten. Wir wollen hier einen anderen Schwerpunkt setzen: 300.000 Menschen demonstrieren etwa am Samstag in Paris. (Öffnet in neuem Fenster) In zahlreichen deutschen Städten gingen junge Menschen auf die Straße, und das überwiegend friedlich.
Zum Protest aufgerufen hatte „Gen Z regelt“ – die Initiative sprach von etwa 120.000 Teilnehmer*innen bei den Veranstaltungen, die in ganz Deutschland stattfanden. „Ich bin heute hier, weil wir viele Probleme an unserer Schule haben“, zitiert die taz (Öffnet in neuem Fenster) den 15-jährigen Schüler Sheriff in Frankfurt. „Unsere Toiletten sind kaputt, es gibt Lehrermangel und wir können nicht richtig lernen.“ An manchen Orten eskalierte die Lage zu später Stunde, vor allem in Köln und Frankfurt gab es Krawalle. „Gen Z regelt“ distanzierte sich laut Süddeutscher Zeitung (Öffnet in neuem Fenster) rasch von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“.
In Österreich (Öffnet in neuem Fenster) verlief das Wochenende ruhig: Es gab kaum Proteste und abgesehen von Einzelfällen keine Gewalttaten. In den Tagen davor, waren in Wien die Sorgen vor Ausschreitungen aufgebauscht worden. Das Außenministerium verschickte eine Sicherheitswarnung an alle Botschaften, Geschäfte in der Innenstadt verbarrikadierten ihre Schaufenster. Zuvor hatte (Öffnet in neuem Fenster) Wiener Polizei am Freitagmorgen bei sechs jungen Erwachsenen Wohnungen durchsucht, die laut Polizei in sozialen Medien zu Gewalt und Plünderungen aufgerufen hätten.

Jotowa gewinnt Stichwahl in Bulgarien
Und noch ein kurzer Blick nach Bulgarien: Dort hat Prognosen zufolge die Amtsinhaberin Ilijana Jotowa in einer Stichwahl das Rennen um die Präsidentschaft gewonnen. Wie t-online (Öffnet in neuem Fenster) erklärt, ging es bei der Wahl vor allem um den außenpolitischen Kurs Bulgariens mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Jotowa, eine ehemalige Journalistin und sozialistische Europaabgeordnete, gilt als russlandfreundlich. „Ich stimmte dafür, dass Bulgarien ein starker Staat im starken Europa sein wird“, zitiert sie ZDFheute (Öffnet in neuem Fenster), „dass Bulgarien aber auch eine eigene Außenpolitik und Rückgrat hat, wenn es das Wichtigste verteidigen muss – das nationale Interesse“.
Zuletzt hatte es mehrere Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste im Schwarzen Meer gegeben, für die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Politiker:innen aus Nato-Staaten den Kreml verantwortlich gemacht hatten. Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew wollte Russland allerdings nicht direkt beschuldigen (Öffnet in neuem Fenster). Weitere Details zur Wahl hat die Tagesschau (Öffnet in neuem Fenster). (Luzia Geier)

Packerl aus China werden teurer
Seit 1.November ist (Öffnet in neuem Fenster) eine neue, zweite Paketsteuer in Kraft. Die neue EU-Gebühr von zwei Euro pro Warenkategorien trifft bestellte Waren aus Drittländern - allen voran China. Mit der Gebühr will die EU gegen die Flut an Billigpaketen vorgehen. Im Jahr 2025 wickelten die europäischen Zollämter nach Angaben der EU-Staaten rund 6 Milliarden Pakete von Onlinehändlern ab.
90 Prozent davon seien aus China in die EU gelangt. Bei Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress wird (Öffnet in neuem Fenster) die Gebühr als “Union Handling Fee” bezeichnet und den Konsument*innen in Rechnung gestellt.

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Recherche: Analysen und Hintergründe zur Politik
Regelmäßig bloggt der renommierte Journalist Johannes Huber auf diesubstanz.at (Öffnet in neuem Fenster) zur österreichischen Innenpolitik. Dieses Wochenende hat er je eine Analyse zur Lage der SPÖ und der ÖVP veröffentlicht. Für den designierten Vizekanzler Markus Marterbauer würden die “Spielräume klein im Sinne der SPÖ aufzuzeigen (Öffnet in neuem Fenster)”. Das Dilemma: “Die SPÖ muss immer damit rechnen, dass die Volkspartei einer Koalition mit Freiheitlichen den Vorzug gibt, wie sie das schon in fünf Bundesländern tut und worauf sie sich vor eineinhalb Jahren trotz Aussicht auf einen Kanzler Kickl beinahe auch auf Bundesebene eingelassen hätte.”
Zur ÖVP analysiert Huber den “fatalen Irrtum” der Volkspartei (Öffnet in neuem Fenster): Durch das Übernehmen von FPÖ-Positionen erhoffe man, einen Teil des Zuspruchs für Kickl zurückzugewinnen. “In Wirklichkeit bestätigt bzw. stärkt man diese so jedoch nur”, schreibt Huber. Das zeigt sich etwa in Stockers Kritik am EU-Budget: “Es entspricht der freiheitlichen Erzählung, dass die EU einfach nur teuer sei”.
https://diesubstanz.at/parteien/getriebene-der-fpoe-2/ (Öffnet in neuem Fenster)https://diesubstanz.at/parteien/was-bleibt-marterbauer/ (Öffnet in neuem Fenster)
Die KI-Hackingwelle, verständlich erklärt
Warum gingen Behörden, Banken und Europas größter Hafen offline? Was hat KI damit zu tun? Und warum hängt das Internet an Freiwilligen, die sagen: Fährt mich ein Bus um, haben andere ein Problem?
https://krautreporter.de/internet-und-technologie/6597-die-ki-hackingwelle-verstandlich-erklar (Öffnet in neuem Fenster)
Ein Haus für Frauen
Lange waren die unterschiedlichen Formen von Gewalt gegen Frauen kein breit diskutiertes Thema, doch mit der Neuen Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre änderte sich das: „Das Private ist politisch“, lautete der Slogan. Auch Tomi Tomek war damals mit dabei – und sie gehörte zum elfköpfigen Gründungsteam des ersten deutschen Frauenhauses. Es wurde gestern vor fünfzig Jahren, am 1. November 1976, in Berlin-Grunewald eröffnet. Erfahrungen hatte Tomek davor als Sozialpädagogin in einem Heim für Wohnungslose gesammelt, wo sie häufiger Frauen mit blauen Flecken begegnete, deren gewalttätige Männer weiter in nächster Nähe waren. Als die Feministin Ursula Scheu sie bat, ihre Expertise in das neue Projekt einzubringen, kündigte Tomek ihren Job. Im Interview mit der taz (Öffnet in neuem Fenster) erzählt sie, dass schon vor der Eröffnung Frauen vor der Tür standen. Dass die Arbeit nicht ungefährlich war. Dass es in Politik und vielen anderen Bereichen aber Unterstützer:innen gab. Und dass alle vor allem eine Sache im Frauenhaus gelernt hätten: „Sich zu trauen. Sachen zu machen.“ Weltweit wurde (Öffnet in neuem Fenster) das erste Frauenhaus übrigens 1971 in London eröffnet, in Wien war es 1978 soweit. 1981 folgten ähnliche Einrichtungen in Graz und Innsbruck.
https://hdgoe.at/erstes-frauenhaus (Öffnet in neuem Fenster)Versteht nicht, warum Schulkinder heute frei haben, deren Eltern aber nicht,
Dominik
