Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Österreich ist ein teures Pflaster: Identische Drogerieprodukte kosten hierzulande im Schnitt 22 Prozent mehr als in Deutschland. Bei Hansaplast-Pflastern beträgt der Aufschlag sogar 133 Prozent. Das zeigt ein Preismonitor der Arbeiterkammer (Öffnet in neuem Fenster). Für 97 Produkte zahlen Konsument in Österreich rund 536 statt 439 Euro. Die AK fordert ein Ende territorialer Lieferbeschränkungen und mehr Druck auf die EU-Kommission.
Die Preisunterschiede sind seit Jahren ein Ärgernis – insbesondere bei Lebensmitteln. Während die Politik bislang kaum wirksame Maßnahmen gegen den sogenannten „Österreich-Aufschlag“ zustande bringt, zeigt sich ein paradoxes Bild: Selbst in Österreich hergestellte Produkte sind in Deutschland oder Italien häufig günstiger erhältlich als im eigenen Land.
Es wäre an der Zeit, das zu ändern. Und d.h. nicht, dass die Preise in Deutschland oder Italien angepasst werden.

Ansonsten geht es um Ermittlungen gegen Ex-WKO-Chef Mahrer, das Zugsunglück in Spanien und eine “Flucht” von Bolsonaro.

WKStA ermittelt: Luxusuhr bringt Ex-WKO-Chef Mahrer unter Druck
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen den früheren Wirtschaftskammerpräsidenten Harald Mahrer (ÖVP) wegen des Verdachts der Vorteilsannahme zur Beeinflussung, das berichtet der STANDARD (Öffnet in neuem Fenster). Anlass ist eine Luxusuhr der Marke Patek Philippe, die er 2020 vom umstrittenen Investor Florian Fritsch erhalten haben soll. Laut Ermittlungsakten kostete das Modell damals 44.000 Schweizer Franken.
Bei einer Hausdurchsuchung in Vaduz fanden Ermittler 2022 ein auf Mahrer ausgestelltes Zertifikat sowie die Verpackung der Uhr. Der Chronograph selbst blieb verschwunden. Die liechtensteinischen Behörden vermuteten bereits damals, Fritsch könnte sich mit dem Geschenk Gefälligkeiten erkauft haben. Mahrer soll sich unter anderem für eine Ansiedlung des Start-ups Gropyus in Österreich eingesetzt haben.
Gegen Fritsch wird in Österreich und Liechtenstein wegen zahlreicher Vorwürfe ermittelt. Im Zentrum stehen unter anderem mutmaßliche Unregelmäßigkeiten beim Wohnbauunternehmen Gropyus, das Fritsch mitgegründet hatte. Die WKStA bestätigt Ermittlungen gegen rund 20 Beschuldigte.
Mahrers Anwalt erklärte, sein Mandant habe die Uhr bereits 2021 zurückgegeben und keine Gegenleistung erbracht. Weitere Geschenke habe Mahrer abgesehen von einem Flaschenöffner und Manschettenknöpfen nicht erhalten. Auch mögliche Spesen für eine Mailand-Reise mit Mahrers Ehefrau waren Gegenstand früherer Fragen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Staatstrauer nach Zugsunglück in Spanien
Nach dem schweren Zugsunglück mit mindestens 68 Toten hat Spanien eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Während Rettungskräfte weiter nach möglichen Opfern suchen, wächst der Druck auf die Regierung, die Ursachen der Katastrophe rasch aufzuklären, so der ORF. (Öffnet in neuem Fenster)
„Ganz Spanien trauert“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez. Sollten Fahrlässigkeit oder Sicherheitsmängel eine Rolle gespielt haben, werde man diese konsequent untersuchen. Bis auf die rechtspopulistische Partei Vox setzten alle Parteien ihren Wahlkampf aus.
Das Unglück ereignete sich, als ein Zug des privaten Betreibers Iryo zum Stehen kam und ein nachfolgender Zug der staatlichen RENFE auffuhr. Mehrere Waggons entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. Insgesamt waren rund 540 Menschen an Bord. Mehr als 100 wurden verletzt, mehrere davon schwer.
Verkehrsminister Óscar Puente verwies auf mögliche Probleme bei der Zugsteuerung. Trotz eines Ausfalls des automatischen Sicherungssystems soll die Bahnleitstelle die Weiterfahrt freigegeben haben. Ob menschliches Versagen vorlag, ist Gegenstand der Ermittlungen. Die zuständige Untersuchungsbehörde warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen.
Unterdessen kritisiert die Opposition die Regierung, während Eisenbahnergewerkschaften seit Langem vor Sicherheitsmängeln im spanischen Schienennetz warnen. Ein geplanter Streik soll trotz der Katastrophe stattfinden. Erst im Jänner waren bei einem schweren Zugunglück in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen.

Bolsonaro dankt Trump und spricht von „Putsch“
Der brasilianische Wahlverlierer Flavio Bolsonaro ist in die USA geflüchtet und hat dem US-Präsidenten Donald Trump für die Aufnahme seiner Familie gedankt. Zugleich erklärte er sich zum rechtmäßigen Präsidenten Brasiliens und warf dem Wahlsieger Luiz Inácio Lula da Silva sowie dem Obersten Gerichtshof einen „Putsch“ vor. Beweise für seine Anschuldigungen legte er nicht vor. Internationale Beobachter bewerteten die Wahl als fair.
Bolsonaro landete mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Miami. Auch Argentiniens Präsident Javier Milei dankte er für seine Unterstützung bei der Ausreise. Lula bezeichnete die Flucht als beschämend und kritisierte Bolsonaros mangelnden Respekt vor der Demokratie.
Trump stellte sich hinter die Familie und bezeichnete das Wahlergebnis als „sehr seltsam“. Belege für seine Zweifel an der Wahl nannte er nicht. Bereits in der Vergangenheit hatte er Betrugsvorwürfe des eigenen Lagers verbreitet.
Gegen Flavio Bolsonaro wird in Brasilien wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Korruption ermittelt. Die Vorwürfe betreffen unter anderem Geschäftsbeziehungen und die Finanzierung eines Films über seinen Vater Jair Bolsonaro. Dieser wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt. Flavio Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe. Zudem prüft die Justiz mögliche ausländische Finanzhilfen für seine politische Bewegung.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wir müssen über Rassismus unter Migrant*innen reden
Erleben Schwarze Menschen mehr Rassismus von anderen ausländischen Communities, als von weißen Personen? Die Chefredakton hat in Wien nachgefragt, ob diese Art des Rassismus oft vorkommt und woran es liegt, dass darüber so wenig gesprochen wird.
https://www.instagram.com/reel/DfAVxEAubvP/?utm_source=ig_web_copy_link&mdxt=MzRlODBiNWFlZA==&srtk=MzRlODBiNWFlZA== (Öffnet in neuem Fenster)
Fünf Science-Fiction-Bücher, nach denen du Woah! machst
Ein Gefängnis voller Ich-Kopien. Eine Seuche, die Männer zu Monstern macht. Eine Bevölkerung, die nicht mehr träumen kann. Diese Bücher reißen einen mit, und zwar nicht nur mit Technik-Beschreibungen.
https://krautreporter.de/internet-und-technologie/6591-funf-science-fiction-bucher-nach-denen-du-woah-machst#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Der Herbst der Leaks
Nach den AfD-Mails (Öffnet in neuem Fenster), gibt es nun einen weiteren beachtlichen Leak. Ein beispielloses Datenleck des US-Heimatschutzministeriums (Department of Homeland Security, DHS) hat die persönlichen Daten von mehr als 41.000 Beschäftigten und Auftragnehmern der Behörde und ihrer nachgeordneten Dienststellen offengelegt. Darunter auch Daten von ICE-Agent*innen.
Die geleakten Unterlagen enthalten E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Büroanschriften, aber auch Hinweise auf interne Systeme sowie vertrauliche Informationen über verdeckte Operationen und Überwachungsprogramme. Insgesamt zeichnet das Datenleck ein detailliertes Bild davon, wie das DHS organisiert ist und wie es arbeitet. Wired hat es aufgeschrieben.
Derweil sorgen Informationen aus dem AfD-Leak für Schlagzeilen. Correctiv (Öffnet in neuem Fenster)hat enthüllt, dass die AfD sensible Daten von rund 1000 Journalist*innen öffentlich zugänglich auf ihrer Internetseite gespeichert hat, offenbar über Jahre. Fotos von Presseausweisen, auf denen in Teilen auch private Wohnadressen vermerkt sind, waren bis vor Kurzem über nicht geschützte Links auf der Homepage der Partei abrufbar.
https://www.wired.com/story/massive-leak-exposes-41000-homeland-security-workers-including-undercover-ice-agents/ (Öffnet in neuem Fenster)Findet “Leakerei” spannend: Markus

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