Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Gestern war ich auf der Alm ein bisschen wandern. Selbst auf 2.000 Metern konnte ich auf das „Jackerl“ verzichten. Die Klimaerhitzung macht nämlich auch vor dem Berg nicht halt und verändert die Ökosysteme grundlegend. Das zeigt auch eine aktuelle Recherche von ORF Science (Öffnet in neuem Fenster).
Immer öfter breiten sich Zecken und Gelsen in alpinen Lagen aus. Das bedroht dann etwa Murmeltiere, die bisher keinen Kontakt mit gefährlichen Erregern hatten, die von diesen Insekten übertragen werden können. Auch für uns Menschen steigt beim Bergwandern etwa das Risiko einer Übertragung von Borreliose durch Zecken. Bisher kamen diese Tiere in Lagen von bis zu 2.000 Metern Höhe nicht vor.

Außerdem geht es heute um die Rücktritte von Walter Ruck, Sterbezahlen und das geplante Social-Media-Verbot.

Walter Ruck tritt als WK-Wien-Chef und Wirtschaftsbund-Obmann zurück
Nun also doch. Der massiv in die Kritik geratene Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, zieht sich von seinen Ämtern zurück. Er gibt sowohl den Chefposten in der Wirtschaftskammer als auch den Obmannsitz des ÖVP-Wirtschaftsbundes Wien ab. Er habe diese Entscheidung heute dem Vorstand des Wirtschaftsbundes Wien mitgeteilt. Seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt beide Positionen.
Ruck zieht sich laut einer Aussendung „ins Privatleben zurück“. Zuvor waren durch Recherchen von „profil“ und „Krone“ Inhalte aus einem Gesprächsprotokoll öffentlich geworden, in dem Ruck sich abfällig über Frauen äußert, mit seinem Einfluss auf die Vergabe von Positionen prahlt und sich über Parteifreunde und Industrievertreter lustig gemacht haben soll. Zuletzt hatten sich deshalb immer mehr Personen aus der ÖVP und der Wiener Wirtschaft gegen Ruck ausgesprochen. Er wurde vergangene Woche sogar aus der ÖVP ausgeschlossen. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte Ruck jedoch den Rücken gestärkt.

Deutlich mehr Todesfälle während der ersten Hitzewelle
Während der ersten Hitzewelle im Juni diesen Jahres kam es zu einem Anstieg der Gestorbenen in Österreich, wie heute veröffentlichte Zahlen der Statistik Austria zeigen. In der Kalenderwoche 27, als die Hitzewelle ihren Peak erreichte, starben in Österreich laut vorläufigen Zahlen 1.817 Personen, der überwiegende Teil (1.586) davon war älter als 65. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten drei Jahre ist das ein Anstieg von 18,8 %. Auch in der Vorwoche, vom 22. Juni bis 28. Juni, starben wesentlich mehr Leute (plus 11,4 % im Vergleich mit dem Drei-Jahres-Durchschnitt).
(Öffnet in neuem Fenster)Für die Auswertung der Hitze-assoziierten Todesfälle ist in Österreich die AGES zuständig. Hitze-assoziierte Übersterblichkeit bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mit hohen Temperaturen mehr Menschen sterben, als es die Basissterblichkeit für diesen Zeitraum erwarten ließe. Diese Auswertung wird im Rahmen des sogenannten Hitze-Mortalitäts-Monitoring (Öffnet in neuem Fenster) vorgenommen und liegt für das aktuelle Jahr noch nicht vor. Die bisher größte festgestellte Hitze-assoziierte Übersterblichkeit gab es laut den Zahlen der AGES mit fast 1.000 zusätzlichen Todesfällen im Sommer 2024. In unserem Nachbarland Deutschland sind in diesem Jahr laut heute veröffentlichten Zahlen bereits 9.800 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben. Die Zeit (Öffnet in neuem Fenster) berichtet.

EU könnte auch Österreichs Social-Media-Verbot ausbremsen
Wie Netzpolitik.org (Öffnet in neuem Fenster) gestern berichtet, wurde der Vorstoß von Frankreich, Altersgrenzen für Unter-15-Jährige auf Sozialen Medien einzuführen, von der EU-Kommission ziemlich ausgebremst. Es sei für einzelne EU-Länder aufgrund des Digital Services Act (DSA) nämlich eigentlich gar nicht möglich, die Konzerne hinter Social-Media-Plattformen zur Einführung von Alterskontrollen zu verpflichten. Die EU-Kommission stellte das in einer Stellungnahme im Rahmen des sogenannten Notifizierungsverfahrens fest, mit dem sie überprüft, ob nationale Gesetzespläne dem EU-Recht widersprechen. Frankreich musste deshalb den konkreten Gesetzesvorschlag abschwächen und baut nun auf freiwillige Kontrollen der Konzerne.
Auch in Österreich könnte das ähnlich passieren. Schließlich sind die Pläne unserer Regierung ziemlich ähnlich. Die Social-Media-Plattformen sollen zu einer Altersverifizierung verpflichtet werden, nutzen trotzdem Minderjährige die Dienste, drohen den Konzernen dahinter empfindliche Strafen. Dies widerspricht laut der EU-Stellungnahme aber dem DSA. Das Medienministerium von Andreas Babler (SPÖ) sieht das offenbar nicht so. In den Erläuterungen zum Gesetzesvorschlag (Öffnet in neuem Fenster) steht, dass „der DSA der Verankerung des geplanten Mindestalters auf nationaler Ebene nicht entgegenstehe“.
Der DSA regelt das EU-weit einheitliche Vorgehen in Bezug auf digitale Dienstleistungen und verbietet eigentlich weitgehend nationalstaatliche Alleingänge. Wie Horizont (Öffnet in neuem Fenster) berichtet, hat die EU jetzt drei Monate lang Zeit, zu überprüfen, ob Österreichs Gesetzesvorschlag dem widerspricht. Der Sprecher der EU-Kommission wolle dem Verfahren nicht vorgreifen, heißt es gegenüber Horizont. Wird eine „ausführliche Stellungnahme“ dazu abgegeben, verzögert sich die nationale Umsetzung des Gesetzes noch um drei weitere Monate. Bis dahin könnten bereits EU-weite Pläne für ein Social-Media-Verbot unter 13 vorliegen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen Gesetzesvorschlag bis nach dem Sommer angekündigt.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wer hat Angst vorm Feminismus?
Claudia Zettel war wieder am Werk und hat in ihrem „Keine Frauen“-Newsletter aufgeschrieben, was sie so erlebt, wenn sie in ihrem (Berufs-)Alltag Feminismus und patriarchale Strukturen thematisiert. Kaum ein Medium will Platz für solche Dinge machen. Umso dankbarer müssen wir sein, dass sie diesen Newsletter trotzdem entwickelt hat und jede Woche aufs Neue den Finger in die Wunde legt.
https://steady.page/de/keine-frauen/posts/2727b18b-9859-4080-a9e7-44e9950b09f2 (Öffnet in neuem Fenster)
Protokoll: „Wir sind keine Opfer. Wir sind stark und resilient.“
Hier erzählt Lars Lindauer, was der Anschlag auf den Berliner CSD mit ihm als Teil der queeren Community macht.
https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6504-wir-sind-keine-opfer-wir-sind-stark-und-resilient#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Wettermodelle für alle
Den Hitzewellen sei Dank habe ich mich zum Hobbymeteorologen entwickelt. Nachdem irgendwelche Wetter-Apps immer wieder so absurde Temperaturentwicklungen prognostiziert haben, greife ich inzwischen lieber direkt auf die Prognosemodelle des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) zurück. Dort findet man zwar keine genauen Temperaturen, aber eine Grafik mit Boxplotdarstellungen, an der man gut erkennen kann, wo die Reise hingehen wird.
Unter diesem Link (Öffnet in neuem Fenster)kann man mit der Einstellung „15 days ENSgrams“ und der richtigen Location (in meinem Fall Vienna) eine vernünftige 15-Tageprognose abrufen. Je größer der Boxplot-Bereich, desto unsicherer ist die Prognose.
(Öffnet in neuem Fenster)Ist vor der Hitzewelle in die Kärntner Berge geflüchtet:
Emil

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