Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Endlich gibt es Widerstand! Jetzt wird das Treiben von FIFA-Präsident Gianni Infantino selbst anderen Fußballverbänden zu bunt. Infantino will die Weltmeisterschaft für Investoren öffnen und Anteile daran verkaufen. Der korrupteste Verein der Welt will noch korrupter werden. Aber es regt sich Widerstand. Heute trat der hochrangige FIFA-Berater Carlos Cordeiro aus Protest zurück. Die UEFA, der Verband der europäischen Fußballvereine, hat gestern angekündigt, geschlossen die WM zu boykottieren, wenn die FIFA ihre Pläne tatsächlich umsetzt. Unterstützung erhält die UEFA von dem nord- und mittelamerikanischen Verband Concacaf. Und auch der asiatische Fußballverband AFC stellt sich gegen die FIFA-Pläne. Damit dürfte es keine Mehrheit dafür geben.
Aber wer weiß, vielleicht macht sich Infantino nach dieser Schlappe ohnehin aus dem Staub. Schließlich hätte US-Präsident Trump ihn gerne als nächsten UNO-Generalsekretär, zumindest wenn man einem Bericht der New York Post Glauben schenkt. Einmal mehr zeigt sich, dass wir in Zeiten leben, in denen Satire von der Realität nicht mehr zu unterscheiden ist. Aktuell ist im Rennen um die UN-Spitze aber eine Frau vorne. Der fünfzehnköpfige Sicherheitsrat muss jemanden nominieren, berichtet die Zeit.

Außerdem geht es um die spanische Exklave Ceuta, um Ermittlungen zu rassistischen „L’amour toujors“-Gesängen und die Dürre und Hitze.

Tausende erreichen Ceuta schwimmend – mehrere Tote
Für viele Menschen auf der Suche nach physischer und wirtschaftlicher Sicherheit ist die Stadt Ceuta das Tor zur Europäischen Union: Die spanische Exklave liegt an der Nordküste Marokkos und bildet zusammen mit dem benachbarten Melilla die einzige Landgrenze der EU zum afrikanischen Kontinent. Immer wieder versuchen Menschen, diese Grenze zu überqueren – zuletzt in besonders großer Zahl, wie unter anderem die Tagesschau (Öffnet in neuem Fenster) berichtet. Demnach erreichten innerhalb weniger Tage mehrere tausend Menschen schwimmend die Stadt. Laut dem spanischen Innenministerium waren es bis zu 49.000 Personen in den letzten 24 Stunden. Die New York Times (Öffnet in neuem Fenster) nennt unter Berufung auf einen Regierungssprecher eine Zahl von mindestens 18 Toten. Videos der Associated Press (Öffnet in neuem Fenster) zeigen, wie es vor Ort aussieht.
Anfang Juli entschied der Oberste Gerichtshof Spaniens, dass Menschen, die über das Meer ankommen, nicht ohne ordnungsgemäßes Verfahren über die Grenze zurückgeschickt werden dürfen. Die örtlichen Behörden in Ceuta sehen den jüngsten Anstieg als Folge dieses Urteils. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach von einer humanitären Notlage und bat die Regierung in Madrid darum, den Notstand zu verhängen. Das spanische Innenministerium lehnte das zunächst ab – die Regierung kündigte aber an, Soldat*innen zur Unterstützung der örtlichen Behörden nach Ceuta zu verlegen. Wie Reuters (Öffnet in neuem Fenster) berichtet, werden die Grenzposten von Marokko und Spanien jetzt verstärkt, um die Migrationsbewegung einzudämmen. Spaniens Premier Pedro Sánchez reiste heute sogar spontan nach Ceuta, wie die New York Times (Öffnet in neuem Fenster) berichtet. (Mit Material von Luzia Geier)

Nur selten Verurteilungen nach rassistischen „L’amour toujours“-Gesängen
Die Grünen wollten vom Justizministerium wissen, wie häufig die Justiz wegen rassistischer Gesänge des Liedes „L’amour toujours“ ermittelt. Die Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) schreibt in der Beantwortung der Anfrage, dass mindestens 26 Verfahren nach solchen Vorfällen anhängig sind. Viele Verfahren wurden allerdings eingestellt, nur in wenigen Fällen kam es zu einer Verurteilung.
Sporrer bestätigt aber, dass das Skandieren der Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ grundsätzlich objektiv geeignet sein kann, den Tatbestand der Wiederbetätigung oder der Verhetzung zu erfüllen, wobei es allerdings auf die jeweilige subjektive Tatseite ankommt, berichtet der ORF (Öffnet in neuem Fenster). Für Wiederbetätigung muss aber etwa in den Handlungen auch ein NS-Bezug vorliegen.
Kurios an der Beantwortung ist auch, dass das Justizministerium offenbar über keinerlei technische Möglichkeiten verfügt, automatisiert alle Verfahren zu so einem Thema abzufragen, weshalb „die Berichterstattung zur Anzahl der Verfahren im Wesentlichen auf Erinnerungen der bearbeitenden staatsanwaltschaftlichen Referent*innen basiert und sie daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben kann.“

Dürre und Niedrigwasser bedrohen Ernten und Energieversorgung
Die Folgen der Klimakrise sind auch bei uns aktuell mehr spürbar denn je. Während heute weitere Temperaturextreme mit bis zu 40 Grad Celsius in Ostösterreich erreicht werden könnten, bedroht die große Trockenheit die Landwirtschaft. Massive Futtermittel-Engpässe und Ernteausfälle stehen bevor. Inzwischen wird auch von einer daraus resultierenden Preissteigerung bei den Lebensmitteln ausgegangen, wie etwa der Standard (Öffnet in neuem Fenster) berichtet.
Flüsse wie die Donau weisen historisch niedrige Pegelstände auf. Deshalb werden entlang des großen Stroms zahlreiche Kraftwerke gedrosselt oder sogar abgeschaltet. Ungarn hat gestern das ungarische Atomkraftwerk Paks komplett vom Netz genommen. Der Verbund spricht von einem 30-prozentigen Einbruch bei der Stromproduktion durch Wasserkraft. Die Energieversorgung leidet unter dem Extremwetter.
Durch das Donau-Niedrigwasser werden entlang des Flusses auch Relikte freigelegt, in Ungarn und in Serbien etwa Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg, in Kroatien ein Frachter aus dem Jahr 1973. In Bulgarien kamen sogar Mammutknochen im Flussbett zum Vorschein. Die Donauschiffsfahrt muss in großen Teilen eingeschränkt oder ganz ausgesetzt werden. Viele Fische sind durch das Niedrigwasser in verschiedenen Gewässern mit dem Tod bedroht. Der ORF (Öffnet in neuem Fenster) zeigt Bilder des Ausmaßes der Dürrekatastrophe.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Die News vom Brudi
Sogenannte Newsfluencer sind in Österreich bisher noch eine Seltenheit. Umso besser, dass mit dem Kanal Newsbrudi seit fast vier Monaten ein neuer Stern am Instagramhimmel schwebt. Mit Humor, lustigen Schnitten und fetzigen Einblendungen versucht der Host Dennis Miskić harte Nachrichten für junge Menschen zugänglich zu machen. Meine ehemalige Studienkollegin Nina Thiel ist für die tolle Gestaltung verantwortlich. Ich empfehle dringend, mal auf dem Kanal vorbeizuschauen – hier gibt’s ein Video thematisch passend zur heutigen Einleitung.
https://www.instagram.com/p/DbA73dmMsxE/ (Öffnet in neuem Fenster)
Nach dem CSD-Anschlag: Queers of Colour passen in kein Lager
Die eine Seite sieht in jeder Gewalttat den Beweis, dass Muslime nicht hierhergehören. Die andere schweigt. Es gibt eine dritte Position: kritisieren, aber nicht aus Hass, sondern aus Liebe.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6505-nach-dem-csd-anschlag-queers-of-colour-passen-in-kein-lager (Öffnet in neuem Fenster)
Google öffnet Tür für Desinformation durch neue KI-Funktion in Google Earth
Wie der Datenjournalist Henk van Ess in seinem Newsletter schockiert feststellte, hat Google sein KI-Bildgenerationstool in seinem Satellitenbildprogramm Google Earth integriert. Für Google handelt es sich damit um ein „fun feature“.
Aber wie van Ess zeigt, sind damit Manipulationen wie das Einfügen eines AKWs im Iran oder eines Bombenkraters im Gazastreifen möglich. Der US-Konzern öffnet damit Tür und Tor für Desinformation, das Tool ist bereits jetzt für alle weltweit kostenlos verfügbar. Die Antwort von Google an van Ess: „We take misinformation seriously – every image created with Nano Banana in Google Earth includes the SynthID digital watermark, so if someone is unsure about an image, they can ask the Gemini app or use Lens in Search to see if the image was Al-generated.“
https://substack.com/home/post/p-209153884 (Öffnet in neuem Fenster)Verabschiedet sich in eine fünfwöchige Newsletter-Pause, auf Wiederlesen:
Emil

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