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US-Verteidigungsminister will Hinrichtung live streamen

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Gestern hat sich mein Kollege Markus hier noch Unterstützung für den 23-jährigen Kassierer aus Linz gewünscht, der in einer Billa-Filiale unrechtmäßig Rabatte an die Kund*innen verteilte. Der Mann, der angibt, unter sozialen Ängsten zu leiden, wurde zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt und muss 25.700 Euro zurückzahlen.

Heute ist die Spendenaktion für den ehemaligen Billa-Mitarbeiter schon durch: Über 30.000 Euro wurden in der Online-Kampagne „Free our RaBatman“ (Öffnet in neuem Fenster) gespendet. Der Initiator der Aktion sagt, er wolle nicht, dass das Leben des jungen Mannes, der sich nicht persönlich bereichert hat und den er nicht persönlich kennt, durch einen Fehler bestimmt wird. Billa hat angeboten, die Spendensumme zu verdoppeln und an gemeinnützige Organisationen aus den Bereichen Inklusion und psychische Gesundheit zu spenden.

Außerdem: Der Friedensnobelpreis geht heuer an die südafrikanische Juristin Navanethem (Navi) Pillay (85). Sie wird für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht geehrt. Laut Nobelkomitee setzte sie sich für die Rechenschaft staatlicher Stellen und Staatschefs ein und gab Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung.

Im Newsletter geht es heute um: Hinrichtungen in den USA, ein Datenleck bei Nius und Kinderbetreuung in Österreich.

Kinderbetreuung: Ob man in der Steiermark oder in Wien zwei Jahre alt ist, macht einen Unterschied

Knapp 36 Prozent der Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren und fast 95 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen in Österreich eine Kinderbetreuungseinrichtung. 60 Prozent der Kinder gehen in Krabbelstuben oder Kindergärten, die mit ihren Öffnungszeiten eine Vollzeitarbeitsstelle abdecken. Das hat die Statistik Austria für das Familienministerium erhoben. Die Zahlen wurden gestern präsentiert. Das zeigt, dass heute deutlich mehr Kinder eine Kinderbetreuungseinrichtung besuchen als 2008. Allerdings sind die regionalen Unterschiede immer noch sehr groß. Der ORF (Öffnet in neuem Fenster) fasst die Zahlen zusammen.

In Oberösterreich (26,3 Prozent) und der Steiermark (24 Prozent) gehen wenige Kinder unter zwei Jahren in eine Krabbelstube. In Wien, im Burgenland und in Niederösterreich besuchen über 40 Prozent der unter Zweijährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung. Im Alter von drei Jahren besuchen jedoch österreichweit in fast allen Bundesländern über 90 Prozent der Kinder einen Kindergarten (In der Steiermark sind es 89,3 Prozent). Auch bei den Betreuungszeiten und damit bei der Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten, gibt es große regionale Unterschiede. 

 Ministerin Claudia Bauer sagt: „Mir ist vollkommen bewusst, dass wir weiterhin am Ausbau der Kinderbetreuung arbeiten müssen.“ Sie plädiert für eine „volle Wahlfreiheit“ für Eltern bei der Betreuung. (Und ist sich anscheinend bewusst, dass hier noch einiges zu tun ist.) Arbeiterkammer und Österreichischer Gewerkschaftsbund freuen sich über den Ausbau der Kinderbetreuung, weisen aber ebenfalls auf die regionalen Unterschiede hin und fordern mehr Personal und einen besseren Betreuungsschlüssel.

In Oberösterreich, wo es ein fast flächendeckendes Angebot für vollzeitarbeitende Eltern nur in Linz und Wels gibt, sagt die zuständige Landesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberland, dass man sich nicht an starren Vorgaben orientiere, sondern an der Lebensrealität der Familien. Für 90 Prozent der Familien gebe es ein Angebot der Betreuung bis 16 Uhr, das aber nur von 14 Prozent der Familien wahrgenommen werde, berichten (Öffnet in neuem Fenster) die Oberösterreichischen Nachrichten. Die nächste Frage wäre, erlaube ich mir hier einzuschieben: Warum eigentlich? Denn nicht nur über die Anzahl der Plätze, auch über deren Qualität und die tatsächliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie über Öffnungszeiten hinaus, muss mehr gesprochen werden.

USA: Verteidigungsminister will Hinrichtung per Livestream übertragen

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will die Hinrichtung eines zum Tode verurteilten Attentäters per Livestream übertragen. Der ehemalige Psychiater des US-Heers, Nidal Hassan, tötete 2009 in einem Attentat auf einen Militärstützpunkt zwölf Soldaten und einen Zivilisten, 32 weitere Menschen wurden verletzt. Später bekannte sich Hassan zum Dschihad. 2013 wurde er von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Im Dezember dieses Jahres soll er durch Erschießung hingerichtet werden. Ein Pentagon-Mitarbeiter bestätigte Hegseths Pläne.

Hegseth argumentiert in einem Interview mit dem rechtsextremen Influencer Jack Posobiec auf dem rechten US-Sender Real America‘s Voice mit „Abschreckung“ und „Tradition“ und dass ihm die „Gewinnermentalität“ des zweiten Weltkriegs gefalle. Damals habe es auch öffentliche Exekutionen gegeben.

Die letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando des US-Militärs gab es 1945. 1936 fand die letzte für die Allgemeinheit öffentliche Hinrichtung in den USA statt. 

Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike wurde zuletzt wieder viel über die Todesstrafe in den USA diskutiert. 

Datenleck bei Nius

Ein Datenleck beim rechtspopulistischen Onlinemagazin Nius offenbart die Adressen von Leser*innen, Zahlen zu Abo-Einnahmen und gewährt umfassende Einblicke ins Redaktionssystem, zum Beispiel die Klarnamen von unter Pseudonym schreibenden Autor*innen. Recherchiert hat das die Investigativplattform correctiv. Durch eine Cyberattacke sind neun Gigabyte an Daten abgeflossen, die nun frei im Internet verfügbar sind. Unter den geleakten Nutzerdaten befinden sich auch Daten von Politiker*innen und Unternehmer*innen. 

Correctiv hat die Daten journalistischen Grundsätzen gemäß nicht veröffentlicht. Chefredakteur Julian Reichelt bestätigt das Datenleck und beklagt, dass ihn Correctiv nicht sofort darauf aufmerksam gemacht habe. Nius gehört die Mehrheit des österreichischen „Exxpress“.  

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Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Elternteil Nr. 2

Auch Väter können nach der Geburt eines Kindes an einer Depression erkranken. Das ist medizinisch eine recht junge Erkenntnis, sagt der Psychiater und Psychotherapeut Luc Turmes. Nach Schätzungen ist jeder zehnte bis zwanzigste Vater von Depressionen betroffen. Das wird jedoch selten erkannt.

Warum ist das so? Das Zimt-Magazin widmet der Frage eine ausführliche Recherche. Achtung: Der Text thematisiert Depressionen, suizidale Gedanken und Gewalt gegen Kinder.   

https://zimtmagazin.at/recherchen/depression-bei-vaetern-nach-der-geburt/ (Öffnet in neuem Fenster)

Die lesende Gesellschaft, um die wir trauern, hat es nie gegeben

Jede neue Technologie soll das Ende des Lesens einleiten. Heute sind es Social Media und KI. Nicht wahr?

https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6570-die-lesende-gesellschaft-um-die-wir-trauern-hat-es-nie-gegeben#lesen (Öffnet in neuem Fenster)

Zahlen, bitte!

Ob Berlin, Ottawa, Paris oder Amsterdam: Vietnamesische Restaurants tragen häufig den Namen des inoffiziellen Nationalgerichts Phở (ausgesprochen „Fö“), und das in Kombination mit einer Zahl. Googelt man zum Beispiel „pho restaurant berlin“, findet man Phở 87, Phở 6, Phở Nguyen 68, Phở Mia 68, Phở 56 … und das sind nur die ersten drei Seiten der Trefferliste. Was die Brühe mit Reisnudeln, Fleisch und weiteren Beilagen mit diesen Ziffern zu tun hat, recherchierte schon vor einigen Jahren ein Reporter des Washingtonian: Er fand heraus, dass viele Restaurantbesitzer*innen ihre Läden nach dem Jahr benennen, in dem sie in die USA kamen, in dem sie das Restaurant eröffneten oder in dem der Vietnamkrieg endete (Phở 75). Manchmal gehen die Zahlen aber auch auf eine Glückszahl zurück oder auf Straßen. Der Macher von Every Pho Number hat sich die Mühe gemacht, Restaurants auf der ganzen Welt zu katalogisieren, die Phở und eine Zahl im Namen tragen. Die Liste reicht von Phở 1 bis Phở 119. Wer ein Phở 120 kennt, sollte sich also bei ihm melden! (Luzia Geier)

https://everyphonumber.com/?utm_source=Krautreporter+Newsletter&utm_campaign=dcfdf78ade-linksbundnis-in-berlin-ruckt-etwas-naher-2026-10-0&utm_medium=email&utm_term=0_9ed711293a-dcfdf78ade-219728677 (Öffnet in neuem Fenster)

Checkt gleich mal Phở-Restaurants in Linz: 
Anna

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